Die Kreuzotter (Viper berus berus)
Die Kreuzotter ist wohl die Schlange mit den meisten Superlativen und dem schlechtesten Ruf in ganz Europa. Dabei trägt diese faszinierende Viper ihren schlechten Ruf vollkommen zu unrecht. Sie hat das größte Verbreitungsgebiet aller Schlangen weltweit und ist auch die einzige Schlange, die nördlich des Polarkreises vorkommt. Zudem ist sie auch die einzige Schlange, die sowohl auf Höhe des Meeresspiegels vorkommt als auch bis in subalpinen Lebensräume, bis ca. 2300 m üNN vordringt.
Dabei bewohnt sie Lebensräume, die eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit und recht hohe Temperaturwechsel bieten können. Dabei benötigen Kreuzottern aber immer auch trockene Sonnenplätze, auf denen sie lange Zeit beim Sonnen verbringen. Am häufigsten trifft man sie in Hochmooren sowie an Waldrändern und Waldlichtungen an. Immer sind aber kleiner Gewässer in der Nähe. Sie können sehr gut schwimmen und flüchten auch schon mal ins Wasser.
Die Ottern sind an den senkrechten Pupillen der Augen und den gekielten Schuppen sehr leicht von anderen Schlangen zu unterscheiden. Geschlechter lassen sich bei Kreuzottern sehr leicht an den Färbungen unterscheiden. Die Männchen sind meist dunkel mit silbernen Flanken während die Weibchen zumeist braune Färbungen aufweisen und nicht so deutlich gemustert sind. Männliche Tiere bleiben auch deutlich kleiner als die weiblichen.
Diese ca. 90 cm lang werdenden Vipern sind mit ihrem Zick-Zackmuster auf dem Rücken sehr gut getarnt, und haben in einigen Gebieten eine sehr kurze Fluchtdistanz. Das ist auch der Grund für die meisten Bissunfälle in freier Natur. Hiervon sind zumeist Hunde und Pferde betroffen. Die Tiere sonnen sich gerne auf sandigen Wegen in Moor und Waldgebieten und werden dann leicht übersehen.
Der Name Kreuzotter stammt übrigens nicht von diesem Muster. Es gibt auch vollkommen rote oder aber auch schwarze Tiere, die so genannten Höllenottern (Schwarze Exemplare) oder Kupferottern (Rote Exemplare). Diese Tiere werden aber nicht einfarbig geboren sondern wechseln im Alter von 1-2 Jahren die Färbung. Diese dunklen Tiere sind meist dort anzutreffen wo das Klima rauer ist. Durch die dunkle Färbung lässt sich Sonnenlicht schneller in Wärme umsetzen. Der Name Kreuzotter kommt vielmehr von der Position der Musterung auf dem Rücken der Tiere dem "Kreuz". Die Kreuzkröte kam auf dem gleichen Wege zu ihrem Trivialnamen.
Obwohl das Gift der Kreuzotter 2-3 mal potenter ist als das der Diamantklapperschlange, kann es auf Grund der sehr geringen Mengen nur Haustieren, kleinen Kindern und älteren Menschen wirklich gefährlich werden. Die größte Gefahr geht bei Giftbissen allerdings von allergischen Reaktionen aus, diese Reaktionen können bis zu anaphylaktischen Schockzuständen gehen. Da diese allergischen Reaktionen durch die Eiweißverbindungen im Gift hervorgerufen werden, und diese in den Antiseren verstärkt beinhaltet sind, wird nur noch in ganz seltenen Fällen ein Antiserum zum Einsatz gebracht. Die Kreuzotter verfügt, wie schon geschrieben, über nur sehr geringe Mengen Gift. Aus diesem Grund können die Vipern die Giftabgabe bei den Bissen steuern. Abwehrbisse sind in der Regel "trockene" Bisse ohne Giftabgabe. Nur ca. 5-10% aller Bisse beinhalten größere Mengen Gift und führen zu schwereren Symptomen.
Seit 1959 hat es keinen nachgewiesenen Todesfall mehr in Deutschland gegeben. Eine ältere Frau starb 2004 auf Rügen nach einem Kreuzotterbiss. Aufgrund der kurzen Zeitabstände zwischen Biss und Tod der Patientin gehen die Ärzte aber von Herzversagen durch Schock aus. Bei den in den Medien immer wieder auftauchenden Meldungen zu schweren Kreuzotterbissen, haben Nachforschungen meist ergeben, dass sie frei erfunden waren oder zumindest stark übertrieben. Wie gesagt, sie tragen den schlechten Ruf zu Unrecht!
Sollte man jedoch doch einmal gebissen werden, ist dringend zu raten einen Arzt aufzusuchen. Der betroffene Körperteil ist ruhig zu stellen. Panik und schnelle Bewegungen sind zu vermeiden, um eine schnelle Verbreitung des Gifts zu verhindern. Das Abbinden von Gliedmassen oder Aussaugen der Bisswunde sind nicht zu empfehlen. Um bösen Überraschungen vor zubeugen sollte man in Gebieten wo Schlangen zu erwarten sind, kräftig auftreten. So kann man sicher sein das die Tiere frühzeitig den Rückzug antreten können. In solchen Gebieten sollte man Hunde grundsätzlich an der kurzen Leine führen.
Jörg Cordes